Gastbeitrag: Günstig, bullig und viel PS!

Kaum ein Auto ist so umstritten wie der SUV – und keins verkauft sich besser. Warum diese Dinger so beliebt sind wie nie..

Ich bretter mit meinem Audi SQ5 die A7 runter, linke Spur, plötzlich schert ein blauer Kombi vor mir aus. In den Rückspiegel gucke ich zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr. Wer über 200 Kilometer pro Stunde fährt, muss von hinten mit keinen Überraschungen mehr rechnen. Aber vor mir mit 150 in die Überholspur ziehen? Ich bin genervt, ziehe den Hebel für die Lichthupe und bin ein rücksichtsloses Arschloch.

SUVs liegen im Trend. Die Mischung aus Geländewagen und Limousine machten 2015 über 20 Prozent der Neuzulassungen aus.

Der Pariser Autosalon zeigt jedes Jahr, was sich die Branche im vorherigen Jahr ausgedacht hat. Meistens etwas Neues, Verrücktes und Visionäres. Meistens ein Blick in die Zukunft. Das diesjährige Programm wirkt wieder einmal wie ein Blick in eine Welt, in der Kraftstoff in unendlichen Mengen und zu einem sehr günstigen Preis zur Verfügung steht. Die Autos der Zukunft sind groß, unhandlich und hochmotorisiert. Was die Branche hervorbringt, sind viele neue SUVs- von jedem Hersteller und in allen Größen.

Aber warum ist das so? Jeder weiß, dass die Fahrzeuge viel zu groß und viel zu durstig sind. Dabei ist Deutschland ein Land, dass in der Welt wie kein anderes für die Energiewende steht. Doch die sportlichen Geländewagen haben Charakter, zeigen Ecken und Kanten, sind trendig und versprechen die Freiheit von Schotter- und Staubpisten. Das da der Spritverbrauch überdurchschnittlich hoch ist, interessiert offenbar wenig.

Die SUV Modelle sind etwas für Fahrer, die auf Emotionen stehen. Natürlich ist es möglich ein Auto unter den Gesichtspunkten zu kaufen, möglichst kostengünstig von Ort zu Ort zu kommen. Einem SUV Fahrer ist das nicht wichtig. Er will den Beweis antreten, dass er auf Emotionen steht!

Bis 2020 wünscht sich Angela Merkel eine Million deutsche Elektroautos.

Die Automobilbranche macht den Trend zum Massen-Wunsch. Zu den riesigen PS-Protzen kommen kompakte, günstige SUV-Modelle hinzu. Auf Wunsch sogar mit Hybrid- und Elektromotor.

Zwar steckt hinter diesen Entwicklungen ein hohes technisches Know-how, doch in Zeiten von Luftverschmutzungen, Klimakonferenzen und Abgas- Skandalen wäre eine andere Innovation gefragt. Die SUV-Offensive rollt mit neuem Blech auf alten bzw. abgelaufenen Wegen!

SUVs blöd zu finden ist schon so lange angesagt, dass es in Wahrheit schon wieder super langweilig ist. Jeder kennt die Mutti, die mit Allradantrieb zum Kindergarten fährt. Der Hass auf SUVs ist längst selbst ein Klischee. Da fragt man sich: Warum will dann immer noch jeder die Dinger?

Ich will den Hype verstehen, also hole ich mir einen SUV, einen Audi SQ5, eine absurde Mischung aus Coupé und Geländewagen. Sportliches Interieur, Achtgang-Automatik. Ein klares “Bekenntnis zur dicken Hose” (Focus Online). Jeder Hersteller in jeder Klasse führt mittlerweile einen SUV. Sogar Bentley und Jaguar stellen auf der IAA 2015 ihre ersten SUVs vor. Die haben es offenbar als Letzte verstanden: Flache Premium-Autos interessieren keinen Menschen mehr. Höher sitzen ist das neue tiefer legen. Selbst „Kleinwagen“ gibt es jetzt im SUV Format, wie den Audi Q2.

Zunächst ähnelt der Hokuspokus des SUV dem eines Land-Wasser Fahrzeugs. Allerdings piepst ständig der Parkassistent, um mich vor Radfahrern, Hunden und natürlich Fußgängern, an denen ich mich mit meinen „Schiff“ vorbeizwänge, zu schützen

Ca. 25.000 Elektroautos gab es zu Jahresbeginn in Deutschland. Das ist nicht viel im Vergleich zu den 45,1 Millionen insgesamt zugelassenen Pkw. Es ist aber auch sehr wenig, gemessen am Ziel der Bundesregierung von 2010, eine “Energiewende auf der Straße” zu vollbringen. Bis 2020 wünscht sich Angela Merkel eine Million deutsche Elektroautos. In China sollen bestenfalls 12 Millionen auf den Straßen rollen. Dieses Ziel halten Experten für so gut wie unmöglich. Denn die Fahrzeuge sind vergleichsweise teuer, haben eine geringe Reichweite von durchschnittlich gerade mal 150 Kilometern und besonders auf dem Land fehlen Ladestationen. Die Automobilindustrie ist deshalb auf noch mehr staatliche Förderungen in Form von Kaufprämien oder Steuernachlässen angewiesen. Auf dem Pariser Autosalon zeigen allerdings einige Autohersteller, dass SUV auch mit Elektro „geht“. Mercedes-Benz möchte zum Beispiel mit der Fahrzeug Generation EQ, Motoren mit einer Akkuleistung von 500 km und einer Leistung mit 400 PS ausrüsten.

Zurück auf die Straße – die Reaktion der Außenwelt auf meinen SQ5, fällt hingegen viel blasser aus, als ich erwartet hatte. Sie pendelt zwischen einfachem Wegschauen und kindlicher Bewunderung. Kein abwertendes Kopfschütteln, keine Mittelfinger von Radfahrern. Die tollen Momente sind die, in denen ich an einer Ampel stehe und neben mir ein Schulbus hält. Da kleben die kleinen Jungs mit der Stirn an der Scheibe.

Nächster Tag, Autobahn. Die Masse von knapp 2 Tonnen Leergewicht mit 1,60 Metern Höhe führt zu einem herrlichen Überlegenheitsgefühl. Die Autos vor mir wechseln schnell auf die rechte Spur. So müssen sich Fahrer von kraftvollen LKWs fühlen, wenn sie im Schritttempo auf eine befahrene Landstraße einbiegen. In der Stadt bin ich vielleicht für einige das peinliche Arschloch – auf der Autobahn bin ich allerdings die Spitze der Nahrungskette.

Dieser Blogpost wurde uns freundlicherweise von einem Facebook Fan zur Verfügung gestellt. Danke dafür 😉