Diesel als Teil der Lösung und nicht des Problems

geschrieben von Palina Benter

BLOG IN A MINUTE (DIE WICHTIGSTEN INFOS DES ARTIKELS FÜR SIE ZUSAMMENGEFASST): 

Für alle unsere Zeitsparer hier die wichtigsten Informationen auf einen Blick.:

 

  • Die These, der Diesel sei tot, ist nicht belegbar
  • Diesel-Optimierung aus dem Hause Bosch stößt durchschnittlich ein Zehntel des für das Jahr 2020 vorgesehenen Grenzwerts aus
  • Gute Vorstöße werden von negativ geführter Diesel-Diskussion überschattet
  • Vertrauen in die Marke muss wieder gefestigt werden
  • Pauschale Verurteilung des Diesels ist gefährlich
  • Die Autoindustrie muss sich viele technologische Wege offen halten, um Klimaziele erreichen zu können

 

Jeder, der etwas vom Thema versteht, weiß: der moderne Diesel ist Teil der Lösung und nicht des Problems“, äußerte Bernhard Mattes, neuer Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), am Samstag bei der ADAC Hauptversammlung in Dresden.

Aber inwiefern und ist das wirklich so?
Seitdem der Betrug des VW-Konzerns im Herbst 2015 öffentlich wurde, hat die Diesel-Diskussion ein Ausmaß angenommen, welches die kühle Betrachtung der Tatsachen schier unmöglich macht. Durch die juristische Aufarbeitung der Vorfälle wird das Image der Konzerne und des Diesels weiter negativ belastet werden. So sind zahlreiche zivil- und strafrechtliche Verfahren gegen VW, Daimler, Audi, BMW und Porsche im Gange.

Der Betrug mit den Abgaswerten hat bei den Bürgern große Wut ausgelöst. Diese richtet sich gegen die Vorsitzenden und Manger des Konzerns, die in den Medien als Dummköpfe und Rosstäuscher dargestellt werden. Die Bundesregierung und Behörden tragen dabei Mitverantwortung, da teilweise über das betrügerische Handeln hinweggesehen wurde und die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften bei den Fahrzeugen nicht überprüft wurde.

Dass das Auto seit einem Jahrhundert einen wesentlichen Beitrag zum wirtschaftlichen Wohlstand Deutschlands geleistet hat, scheint dabei vergessen zu werden. Der Kredit der Schlüsselindustrie wurde damit für lange Zeit verspielt. Die Gebrauchtwagenpreise sinken, die Dieselzulassungen in Deutschland gehen zurück und Händler müssen hohe Rabatte gewähren, um den Diesel an den Kunden zu bringen. So sei der Diesel auch für den Tod von 6.000 Menschen pro Jahr verantwortlich, meint eine wackelige Statistik des Umweltbundesamtes. „Der Diesel ist tot, mausetot“, sagt Jürgen Resch, Geschäftsführer der privaten Umweltorganisation Deutsche Umwelthilfe. Auch Umweltschützer von Greenpeace behaupten, der Diesel habe keine Zukunft mehr. Dabei ist es schlichtweg falsch, den Dieselmotor nun ganz abzuschreiben. Die Wut der Bürger auf den Betrug durch Konzerne und Regierung ist vollkommen berechtigt. Die gesamte Branche pauschal zu verurteilen ist jedoch gefährlich.

„Sie (Die Verurteilung) ist nicht gerechtfertigt, die Fakten fordern Differenzierung, nicht zuletzt im Interesse der mehr als 800.000 Beschäftigten bei Herstellern und Zuliefern, die jeden Tag gute und ehrliche Arbeit leisten. Wir bedauern, dass solche gravierenden Fehler gemacht wurden“, erklärt Mattes. Damit warnt der Verband der Automobilindustrie (VDA) vor einer Politik gegen den Diesel.

Jeder, der etwas vom Thema versteht, weiß: der moderne Diesel ist Teil der Lösung und nicht des Problems!

Wer sich an die Fakten hält, weiß, dass Dieselmotoren so sauber sein können wie das Gesetz es vorgibt. Das bestätigt sogar die dieselkritische Deutsche Umwelthilfe. Doch sie können nicht nur sauber sein, sie können sogar dabei helfen die Klimaschutzziele zu erreichen! Die saubereren Diesel sind zwar teurer als die Bisherigen, technisch jedoch machbar.

“Die CO2-Emissionen liegen um bis zu 15 Prozent unter denen eines vergleichbaren Benziners, daher führt ein sinkender Diesel-Ausstoß zu höherem CO2-Ausstoß. Würden alle neu zugelassenen Diesel-Pkw in Deutschland durch Benziner im gleichen Segment ersetzt, läge der Flottenausstoß um etwa fünf Prozent höher“, so Mattes.

Einen Beweis für die Zukunft des Diesels liefert momentan Bosch. Bosch ist Weltmarktführer der Dieseltechnologie und bezieht hieraus auch seinen größten Umsatz. Allein 2017 stieg der Umsatz durch den Diesel als Gewinnbringer um 7 % auf 78,1 Milliarden Euro. Etwa 50.000 Menschen, davon 25.000 in Europa arbeiten bei Bosch an den Selbstzündern. Somit ist Bosch als Zulieferer von einem möglichen Ausstieg beim Diesel härter betroffen als seine Kunden. Die Autokonzerne könnten bei entsprechender Nachfrageänderung ihren Kunden Benzin-, Hybrid- oder Elektroantriebe anbieten. Die milliardenschaden Produktionsanlagen bei Bosch dagegen sind größtenteils gar nicht von Diesel auf Benzin umzurüsten. Es ist also nur sinnig, das Bosch besonders daran interessiert ist die negativ belastete Diesel-Debatte rumzureißen.

„Heute wollen wir die Debatte um das Ende des Diesels endgültig ad acta legen“, sagte der Bosch-Chef bei der Bilanzvorstellung.

Mit bemerkenswert einfachen Mitteln ist dem promovierten Physiker nach eigener Aussage die technologische Revolution gelungen. So ließ Bosch um die 100 Entwickler ausgerechnet einen Golf Diesel von VW umrüsten. In dem Optimierungsprozess verkleinerten die Entwickler den Hubraum von zwei auf 1,7 Liter. Weiter versetzten sie den Katalysator dichter an den Motor, um ihn so schneller zu erwärmen, und schrieben eine Software mit künstlicher Intelligenz, die das Luftsystem schneller auf die Fahrweise des Fahrers reagieren lässt. Das Ergebnis ist, dass der optimierte Diesel nun ein Zehntel des für das Jahr 2020 vorgesehenen Grenzwerts ausstößt – und dies unabhängig von Temperatur und Fahrweise.

Dabei hat Bosch nur serienerprobtes oder seriennahes Material verwendet. Die Fahrleistung des Fahrzeugs verringert sich dadurch nur minimal und kostet am Ende weniger als 100 Euro mehr als die Euro-6-Diesel, welche ab kommenden September die Grenzwerte im Realbetrieb einhalten müssen. Eine öffentliche Fahrvorstellung mit genormten Messwerten lieferte den Beweis für die Funktionstätigkeit. Nach zweieinhalb Jahre Dieselkriese würde der 61-jährige Konzernchef kaum seine Karriere und den Ruf von Bosch mit einer unausgereiften Entwicklung aufs Spiel setzen.

Ein Sprecher von BMW sagte aus: „Wir schauen uns die Entwicklung mit Interesse an.“ Nach wie vor wird bei BMW jedes zweite Auto in Europa mit Dieselantrieb verkauft. So habe der moderne Diesel noch lange einen Platz in der Antriebspolitik BMW’s, behauptete dessen Konzernlenker Harald Krüger.

Die These, der Diesel sei tot, ist somit nicht belegbar.

Es ist daher umso trauriger, wenn die Vorstöße, um das Vertrauen in den Diesel wiederaufzubauen oder geradezurücken, ins Nichts verlaufen. Mit den immer wieder in die Öffentlichkeit geratenen Skandalen, wie jüngst von Audi, schwindet das Vertrauen in die Marke weiter. So muss Audi die Auslieferung der beliebten Modellreihen A6 und A7 wochenlang stoppen, um ein Software-Update zu entwickeln mit der die jüngste Manipulation der Abgasreinigung behoben werden kann.

Die Auffälligkeiten am Abgasverhalten hatte Audi vergangene Woche gegenüber dem Kraftfahrtbundesamt gemeldet. Bei den Schadstoffklasse Euro-6 Fahrzeugen der Modellreihen A6 und A7 ist der SCR-Katalysator für die Reinigung der Stickoxide zuständig. Dieser braucht einen Harnstoff, AdBlue genannt, um die Stickoxide in harmlosen Stickstoff und Wasserdampf umzuwandeln. Damit der Harnstoff nicht vom Kunden, sondern erst beim nächsten Service in der Werkstatt nachgefüllt werden muss, wurde die Einspritzung der Reinigungsflüssigkeit so stark gedrosselt, dass die Reinigung der Stickoxide im Abgas nicht ausreicht und in zu hoher Konzentration aus dem Auspuff gestoßen wird.

Es ist fast schon peinlich, welches Ausmaß die Diesel-Skandale in den letzten Jahren angenommen haben. So werden Entwicklungen wie die von Bosch überschattet und selbst emissionsfreie Diesel finden keine Abnahme mehr, da das Vertrauen der Kunden aufgebraucht ist. Dabei ist es gerade heute wichtig, dass der Automobilindustrie viele technologische Möglichkeiten offen gelassen werden und nicht von Politik oder Kunden versperrt werden. Sonst wird die Autoindustrie nicht zukunftsfähig bleiben und hat schwindende Möglichkeiten die Klimaschutzziele zu erreichen. Denn auch die viel gelobten Elektro-Fahrzeuge sind noch lange nicht emissionsneutral, da der Strom auch in Deutschland noch teilweise Fossil gewonnen wird.

So äußert sich auch Mattes, dass angesichts der Tatsache, dass künftig konventionelle Motoren klimaneutral mit E-Fuels aus erneuerbaren Quellen betrieben werden könnten, es keinen Anlass für einen Abgesang auf den Verbrennungsmotor insgesamt gibt.

 

 

QUELLEN:

  • http://www.handelsblatt.com/my/unternehmen/industrie/diesel-betrugssoftware-audi-schreibt-brief-an-haendler-auslieferung-von-modellen-a6-und-a7-noch-fuer-wochen-gestoppt/21260516.html
  • https://www.heise.de/newsticker/meldung/Verdacht-auf-illegale-Abschalteinrichtung-in-Audi-Modellen-A6-und-A7-4044894.html
  • https://www.n-tv.de/wirtschaft/Der-Diesel-erlebt-2018-eine-Renaissance-article20215536.html
  • http://www.sueddeutsche.de/auto/zukunft-des-autos-der-diesel-lebt-1.3933856-3
  • http://www.handelsblatt.com/my/unternehmen/industrie/neue-technologie-so-reagiert-die-autobranche-auf-den-wunder-diesel-von-bosch/21212422.html?ticket=ST-2688461-K1FxVISXmJ95Au0FfwQw-ap3
  • https://www.google.de/search?q=bosch+diesel+motor&source=lnms&tbm=nws&sa=X&ved=0ahUKEwirpfGBhPTaAhWBYlAKHVARC-EQ_AUIDygA&biw=1280&bih=590
  • https://www.finanzen.net/nachricht/aktien/vda-chef-sieht-zukunft-fuer-diesel-investitionen-in-e-mobilitaet-6169315[i]