Der Untergang der Autohändler?

Ein Kommentar zu Bob Lutz’ “Why… dealerships are doomed.”

geschrieben von Valentin Lennartz

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BLOG IN A MINUTE (Die wichtigsten Infos des Artikels für Sie zusammengefasst):

Für alle unsere Zeitsparer hier die Essenz unseres Kommentars:

  • Trend geht von “ein Auto besitzen“ hin zu “ein Auto nutzen“
  • Effizienz im Trend, aber Autohändler arbeiten aktuell nicht effizient genug
  • Autohändler aufgefordert, sich weiterzuentwickeln
  • Point of Sale wird mehr und mehr digital
  • In Zukunft: 20-30 % der Autokäufe erfolgen online

Die Zukunft der Autohändler

BERLIN – Der Autokauf in Deutschland läuft oft noch klassisch ab. Man geht zum Autohändler, schaut sich den Wunschwagen an, schaut sich woanders ein anderes Auto an, bis der Preis endlich stimmt. Eine führende Rolle nehmen dabei die Autohändler ein. Sie sind lokale Vermittler, jemand auf den Sie oft angewiesen sind, um Ihr Fahrzeug zu erhalten. Aber gibt es eine echte Alternative? Warum kaufen wir Autos nicht online? Vor allem Neuwagen bieten sich ja geradezu an, dass man Sie online vertreibt.

Kurzum: Wie sieht die Zukunft des Automobilhandels aus? Die Antwort:

 

Massive Veränderungen für Autohändler

Der Trend geht weg vom “ein Auto besitzen“ hin zu “ein Auto nutzen“ ohne jeglichen Besitzanspruch.

Bob Lutz, Ex-Marine der für Ford, GM, Chrysler und BMW gearbeitet hat, vertritt die Meinung, dass in Zukunft autonomes Fahren das Mittel der Wahl werden wird, wenn es um persönliche Fortbewegung von A nach B geht. Dank Software, Hochleistungssensoren und Datenverarbeitung in Echtzeit wird herkömmliches Fahren einfach nicht mehr effizient sein: “Are they (autonomous vehicles) going to be fun? Absolutely not“, sagte er. “There will be no joy in sitting in an autonomous vehicle … But it’s going to be enormously efficient.“  Der gebürtige Schweizer geht sogar noch einen Schritt weiter, indem er Autohändler als “threatened species“ bezeichnet, da Anbieter von modernen Mobilitätslösungen wie UBER oder Lyft Ihre Flotten direkt von den Herstellern beziehen.

We're in a historic transitional phase in the automobile business. In order for the automobile to preserve its surface function, it's simply going to have to evolve. We all know this end state is coming. It has to come.

Autonomes Fahren und das damit einhergehende Umdenken ist und bleibt ein spannendes Zukunftsthema. Bis zur endgültigen Marktreife wird es wohl aber noch ein wenig dauern. Bis dahin sollte man sich darauf konzentrieren, bestehende Nutzungskonzepte wie Leasing zu etablieren und die Digitalisierung des Marktes voranzutreiben, Hürden abzubauen und durch bisher nie dargebotene Convenience endlich einfach zu gestalten.

 

7.000 Autohändler können ein Update vertragen

Effizienz ist Trend. Es ist Fakt, dass der Gang zu diversen Autohändlern alles andere als effizient ist. Bei über 7.000 Autohändlern in Deutschland liegt die Frage ohnehin nah, ob das System nicht einmal ein Update vertragen könnte (allein in Berlin gibt es 12 Audi-Zentren, die ganzen kleineren Händler nicht mitgezählt – eine Konsolidierung scheint unausweichlich.)

Autohändler werden nicht aussterben, aber der Markt wird sich entwickeln. Das kann auch gute 20 bis 25 Jahre dauern, da stimmen wir Mr. Lutz voll und ganz zu. Wir glauben, dass es in Zukunft mehr Flagshipstores geben wird, die eher Serviceleistungen anbieten werden, als wie bisher nur Autos zu verkaufen. Der Point of Sale wird immer digitaler und es scheint realistisch, dass in naher Zukunft 20-30 % der Autokäufe online getätigt werden.

Hinzu kommt, dass Convenience beim Autokauf und der persönlichen Fortbewegung eine immer größere Rolle spielt. Das Internet wird im Vergleich zu gängigen Autohändlern als neuer Vertriebskanal immer mehr akzeptiert und nicht mehr als reines Informationsmedium genutzt. So hat zum Beispiel AutoScout24 seinen Umsatz von 2012 (90,5 Millionen) bis 2017 fast verdoppelt (175,1 Mio.). Aber aussterben werden Autohäuser dadurch noch lange nicht. Nehmen wir Ceconomy als Beispiel: Trotz Giganten wie Amazon, Alibaba und Co. im Online-Handel hat die MediaMarkt und Saturn-Mutter 22,2 Milliarden Euro von Oktober 2016 bis September 2017 umgesetzt, was 1,3 % Wachstum entspricht.

Wir bei VEHICULUM freuen uns in jedem Fall auf die Herausforderungen der Zukunft, denn wir sind drauf und dran, diese aktiv in Richtung Industrie 4.0 mitzugestalten.

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Quellen:

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/543059/umfrage/umsatz-von-autoscout24/

http://www.autonews.com/article/20180411/RETAIL/180419932/why-bob-lutz-still-thinks-dealerships-are-doomed

http://www.businessinsider.de/bob-lutz-es-wird-in-20-jahren-niemand-mehr-ein-auto-besitzen-2017-11

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/media-saturn-mutter-ceconomy-verzeichnet-dank-online-handel-umsatzplus/20499486.html

https://www.rolandberger.com/de/Publications/pub_online_sales_new_cars.html