Recycling-Auto Noah: Aus „Müll“ werden Autos gemacht.

Recycling und Autos – wie geht das?

geschrieben von Palina Benter

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  • Autobauer beweisen Kreativität und Gespür beim Fahrzeugrecycling
  • Noah als einer der Wegweiser für die Zukunft des ökologischen Autobaus
  • Recycling hat auch Grenzen
  • Rezyklate müssen nicht nur hohen Anforderungen genügen, sondern auch im großen Vorrat vorhanden sein

Recycling und Autos – wie geht das?

Flaschenverschlüsse in der Stoßstange, Fußmatten aus PET-Flaschen – Autobauer setzen nicht nur bei Motoren auf mehr Umweltfreundlichkeit. Eine Uni in Holland geht sogar noch einen Schritt weiter und will noch dieses Jahr ein Auto auf die Straße bringen, dass dank spezieller Bio-Materialien ein nahezu vollständiges Recyceln erlaubt.

Nachhaltige Mobilität klingt erst mal umweltfreundlich. Doch damit der ökologische Fußabdruck von Autos geringer wird und ein nachhaltiger Gewinn für die Umwelt entsteht, muss das Auto weitestgehend in geschlossenen Recyclingkreisläufen bleiben. Das hat sogar für die Autobauer Vorteile, denn so lässt sich der Energieverbrauch bei der Fertigung senken. So beziffert Opel die Einsparung an CO2 auf 30 %, weil Kunststoff-Granulat mit niedrigeren Temperaturen und weniger Druck erzeugt werden kann.

Wo das Kunststoff-Granulat dann landet? Dieses wird zum Beispiel im Lifestyle-Flitzer-Opel Adam als Stoßfänger-Befestigung und Scheinwerfergehäuse verbaut. Das Granulat besteht aus alten Flaschendeckeln. Insgesamt bestehen im Adam 170 Komponenten aus recyceltem Kunststoff. Damit kommt Opel nach eigenen Angaben auf 45.000 Tonnen Rezyklate pro Jahr. Doch es gibt noch weitere Vorteile: So schätzt Opel, dass das recycelte Material gegenüber neuem weniger zu Maß- und Formveränderung neigt. Unter anderem besteht auch das Saugrohr des Motors aus recyceltem Kunststoff und das muss immerhin Temperaturen zwischen 40 Grad minus und 200 Grad überstehen.

Auch andere Autobauer haben kreative Ideen entwickelt, um den ökologischen Fußabdruck ihrer Modelle zu verringern. So hat es sich Volvo beispielsweise zum Ziel gemacht, ab 2025 25 % des eingebauten Kunststoffs aus wiederverwertetem Plastik herzustellen. Wie das in der Praxis aussehen könnte, haben die Autobauer aus Schweden nun mit einem Prototyp auf Basis des XC60 gezeigt. Der Mitteltunnel des SUV besteht aus ausrangierten Fischernetzen und Seilen. Das Material für die Sitze und die Fußmatten kommt von PET-Flaschen. Weiter kommt Recycling-Kunststoff als Dämmmaterial unter der Motorhaube zum Einsatz. Die Fahrzeugstudie wurde im Rahmen der Segelregatta Ocean Race vorgestellt.

“Volvo Cars ist bestrebt, seinen globalen ökologischen Fußabdruck zu minimieren“, erklärt Håkan Samuelsson, Präsident und CEO von Volvo Cars. Dazu muss jedoch die Verfügbarkeit recycelter Kunststoffe erhöht werden. Dazu ruft Volvo noch mehr Zulieferer und neue Partner auf, um gemeinsam in wiederverwertete Kunststoffe zu investieren.

 

Recycling: Golf aus Hanf und DDR-Stahl?

Alles legal: Die Innenverkleidung des Golf 7 beispielsweise besteht teilweise aus Hanf. Um die Umwelt zu schonen, setzt Volkswagen auf nachwachsende Rohstoffe und webt Hanffasern in die Türinnenverkleidung. Recyclingmaterial findet sich in der Radhaus- und Unterbodenschale des Golfs. Vor einiger Zeit ging eine geradezu geschichtsträchtige Form des Recyclings durch die Nachrichten. Denn als der Palast der Republik, auch bekannt als “Erichs Lampenladen“ und eins der berühmtesten Relikte der DDR, abgerissen wurde, hat man den Stahl des Gebäudes natürlich recycelt. Unter anderem wurde genau dieser Stahl beim Motorblock des Golf 6 verwendet.

Noah ist ein auf Plastikabfällen basierendes 3D-gedrucktes Elektro-Fahrzeug und wurde entwickelt, um das volle Potenzial der nachhaltigen Mobilität zu präsentieren.

Jeans im Focus

Als 2011 eine Neuauflage des Ford Focus auf den Markt kam, gab der Hersteller bekannt, dass sich weiterverarbeitete Jeansreste in Türverkleidung und Innenraumbezügen wiederfinden. Ford-Sprecher Isfried Hennen sagte dazu aus: “Die Hosen dienen als Baumwoll-Lieferant.“ Auch findet man PET-Flaschen in dem Kompaktmodell wieder. Seine zweite Karriere macht der Recycling-Liebling als Verbundwerkstoff in Armaturenbrettern oder als Dämmung des Focus.

 

Recycling für den guten Zweck bei Chevrolet

Recycling geht auch andersherum. Bei der Produktion von Neuwagen und beim Recycling von Isolationsmaterial bleiben immer Reste zurück, die sich sinnvoll verwenden lassen. General Motors hatte die clevere Idee, das Isolationsmaterial „Sonozorb“ zu sammeln und den Stoff aufzubereiten. Am Ende wurde daraus das Innenfutter für Schlafsäcke, die in der US-Metropole Detroit an Obdachlose verteilt wurden (für weitere Infos gerne in den Quellen unten schauen).

 

Gibt es Grenzen beim Recycling?

Nicht jedes Material von Schrottautos ist verwendbar. “Ein Mercedes hat eine durchschnittliche Lebensdauer von etwa 18 Jahren“, erklärt Engler. Rechnet man die Entwicklungszeit mit ein, vergehen zwischen der Auswahl des Materials für den Neuwagen bis zu seiner Wiederverwertung 20 bis 25 Jahre. In dieser Zeit kann es Technologie-Sprünge geben. Das Recycling von Karosserie-Stahl gestaltet sich deutlich unkomplizierter und so werden auch 100 Prozent der Karosserie recycelt.

Grundlegend ist ein Rezyklat nicht besser oder schlechter als ein Neuprodukt. Entscheidend sind seine Eigenschaften. “Nachhaltigkeit allein reicht für uns nicht aus, jedes Rezyklat muss denselben Qualitätskriterien entsprechen wie ein Neumaterial“, sagt Anita Engler von Daimler.

Vertreter von BMW sehen das genauso. “So geht es immer darum, das optimale Material für jeden Einsatzbereich zu finden“, meint Steffen Aumann, Leiter Recycling bei der BMW Group.

Das Material muss außerdem über den gesamten Lebenszyklus eines Modells eingesetzt werden können. Dafür muss es auch in ausreichender Menge verfügbar sein. “Wenn wir ein Rezyklat getestet und entwickelt haben, das unsere Anforderungen erfüllt, wollen wir das in möglichst vielen Baureihen einsetzen“, sagt Anita Engler. Wenn man bedenkt, dass im Automobilbau eine Generationsdauer von etwa 7 Jahren gilt, fallen erhebliche Mengen für die Produktion an. Nicht immer reicht der Vorrat.

 

Grenzenlos recycelbar: Noah, das echte Recycling-Auto  

Einen wahrhaftig nachhaltigen Ansatz verfolgen die Studenten der TU/Ecomotive in Eindhoven mit der Entwicklung des Noah. Noah ist ein auf Plastikabfällen basierendes 3D-gedrucktes Elektro-Fahrzeug und wurde entwickelt, um das volle Potenzial der nachhaltigen Mobilität zu präsentieren. Das Konzeptfahrzeug wurde in Zusammenarbeit mit dem niederländischen Spezialisten für 3D-Druck, Oceanz, entwickelt.

Das Fahrzeug ist ein Zweisitzer bestehend aus 90 Prozent recycelten Materialien, davon der größte Teil aus Leinen. Außenhaut, Innenraum und Chassis basieren auf einem Verbundstoff, der aus Rohzutaten und Flachs produziert wird. Das aus nachwachsenden Rohstoffen entwickelte Bio-Composite-Material kann somit vollständig dem Kreislauf zurückgeführt werden. Die auf einer inneren Wabenstruktur basierenden Matten sind fest und leicht zugleich.

Noah wiegt bescheidene 350 Kilogramm und wird von einem 20 PS-starken E-Motor in Kombination mit einer modularen Batterie betrieben, welche auch problemlos durch eine andere ersetzt werden kann, sollte ein bessere Akkutechnik zur Verfügung stehen. Das Batteriepaket für den ersten Prototyp besteht aus sechs Zellen und soll gut 240 Kilometer Reichweite bieten. Maximal wird Noah 100 km/h schnell. Das Elektrofahrzeug wäre somit ideal für Städtereisen und ist nebenbei auch leicht zu demontieren, was bedeutet, dass die Teile nach dem Lebenslaufende leicht recycelt werden können. Ende des Jahres soll Noah auf die Straße. Sollte Noah in einigen Jahren in Serie gebaut werden, könnte das voll vernetzte Auto auch als Carsharing-Fahrzeug zum Einsatz kommen.

Die Idee von recycelten Materialien beim Fahrzeugbau ist nicht neu. Wie aufgezeigt, haben andere Autobauer schon enorme Kreativität bei ihren Recycling-Methoden bewiesen. Noah geht jedoch einen beträchtlichen Schritt weiter und kann somit als einer der Wegweiser für die Zukunft des ökologischen Autobaus bezeichnet werden.

Wir von VEHICULUM glauben an die Innovation in Form von Recycling und daran, dass Fahrzeuge in Zukunft dazu genutzt werden können, unseren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern und im Endeffekt nicht nur zu unserer Mobilität beizutragen, sondern auch zu unserer Umwelt. E-Autos sind ein guter und wichtiger Schritt in die richtige Richtung, auch wenn diese noch nicht gänzlich klimaneutral unterwegs sind. Mindestens genauso wichtig ist jedoch, in welcher Art und Weise wir unsere Fahrzeuge bauen und dass nachhaltige und recycelte Materialien der Herstellung zugutekommen.

Abschließend lässt sich sagen, dass jede Neugestaltung ausprobiert werden sollte. Nur so ist ein Fazit möglich und vor allem auch Entwicklung. Wer nicht ausprobiert und wagt, bleibt stehen!

 

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Quellen:

https://www.volvocars.com/de/zubehoer-und-services/dokumente-und-hilfe/altfahrzeugverwertung

https://www.focus.de/auto/news/recycling-suv-von-volvo-flaschen-werden-zu-fussmatten_id_9113579.html

https://www.n-tv.de/auto/Ein-echtes-Recycling-Auto-article20434450.html

https://www.motor1.com/news/249571/volvo-25-percent-recycled-plastics/

https://www.springerprofessional.de/recycling/werkstoffe/volvo-setzt-auf-25-prozent-wiederverwertete-kunststoffe/15852926

https://www.tagesspiegel.de/mobil/recycling-bei-der-automobilproduktion-wiederverwendung-spart-nicht-nur-geld/12044148.html

https://www.focus.de/auto/ratgeber/unterhaltung/recycling-im-automobilbau-vw-golf-hanf-und-ddr-stahl-an-bord_id_3575474.html